top of page

Mythos Nr. 4 – Mentaltraining bringt sofortigen Erfolg

11. Okt.
2 Min. Lesezeit

Hilfe, wir brauchen einen Sportpsychologen!

Drei Runden vor Schluss, dem Abstieg bedrohlich nahe. Jetzt muss ein Sportpsychologe her, der die Kohlen aus dem Feuer holt. Und zwar sofort. Der Abstieg muss schliesslich verhindert werden, koste es, was es wolle.

Dieses Szenario ist gar nicht so selten. Der Sportpsychologe als Feuerwehrmann, der dann ausrückt, wenn es bereits brennt. Zum Psychologen geht ja auch nur, wer ein Problem hat. Es geht auch anders. Das nennt sich Positive Psychologie, ein junger und dynamischer Zweig der Psychologie, der nicht bei den Defiziten ansetzt, sondern beim Aufbau von Ressourcen. Die besten Teams und Athletinnen holen sich sportpsychologische Unterstützung nicht im Notfall, sondern in der Vorbereitung auf Grossanlässe – also dann, wenn noch nichts brennt.


Athlet mit Frust - Athletin die Journal führt

Warum mentale Fertigkeiten Zeit brauchen

Der Name sagt es bereits: Mental-TRAINING. Mentale Fertigkeiten werden nicht über Nacht gelernt, sondern in akribischer Arbeit trainiert und gefestigt. Das ist keine sportpsychologische Eigenheit, sondern gilt für jeden Kompetenzaufbau. Die Forschung zum bewussten, strukturierten Üben zeigt seit Jahrzehnten dasselbe Muster: Was zählt, ist nicht der eine intensive Impuls, sondern die regelmässige, gezielte Wiederholung über längere Zeit (Ericsson, Krampe & Tesch-Römer, 1993).

Genau deshalb macht ein seriöser Sportpsychologe oder Mentaltrainer keine kurzfristigen Erfolgsversprechen. Wer dir zusichert, in zwei Sitzungen aus einer Negativspirale eine Siegesserie zu machen, verkauft dir etwas.


Was kurzfristig möglich ist – und was nicht

Missverstehe mich nicht: Kurzfristig lässt sich durchaus etwas bewegen. Gezielte Impulse können ein Momentum erzeugen, Druck aus einer Situation nehmen und einem Team wieder Zugang zu seinen Ressourcen verschaffen. Das ist real und manchmal matchentscheidend.

Nur ist das nicht dasselbe wie mentale Stärke. Eine nachhaltige Verbesserung – also die Fähigkeit, die eigene Leistung unabhängig von äusseren Umständen abzurufen – entsteht ausschliesslich über regelmässiges Training. Und sie entsteht dort, wo Ziele konkret gesetzt und überprüft werden, nicht dort, wo Motivation kurz hochgekocht wird (Locke & Latham, 2002).

Auch Sportpsychologen sind keine Zauberer. Über glühende Kohlen zu laufen kann im Rahmen einer Teambildung ganz nett sein. Mit mentaler Stärke hat es nichts zu tun.


«Der mentale Bereich unterscheidet gute Spieler von Weltklasse-Spielern»

Oder wie es Michael Jordan einmal formuliert hat: «The physical part was a little easier, but the mental part is hard, and I think that's the part that separates the big players from the great players.» Das körperliche Training war der einfachere Teil. Der mentale Teil ist hart – und genau der unterscheidet gute von herausragenden Spielern.

Was das für dich heisst

Wenn du mit Mentaltraining anfangen willst, dann nicht drei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt. Fang an, wenn gerade nichts brennt. Plane mentale Einheiten so selbstverständlich in deine Trainingswoche ein wie Kraft oder Technik. Dann steht dir dein Werkzeugkasten zur Verfügung, wenn du ihn wirklich brauchst – und nicht erst dann, wenn du ihn gerade erst aufzubauen beginnst.

Weiterlesen

Du willst gezielt an deiner mentalen Stärke arbeiten? Als Sportpsychologe in Zürich begleite ich Athletinnen und Athleten vor Ort und online – das Erstgespräch ist kostenlos.

 
 
 

Kommentare


bottom of page